23. Oktober 2022 / Aus aller Welt

Die USA bekämpfen die Gepunktete Laternenträgerzikade

«Zertreten!»: Im Nordosten der USA wimmelt es vor rot-gesprenkelten Insekten. Um die Plage zu bekämpfen, wenden sich die Behörden mit einem ungewöhnlichen Aufruf an die Bevölkerung.

Das Insekt mit dem wissenschaftlichen Namen «Lycorma delicatula» scheint derzeit allgegenwärtig im Nordosten der USA.
von Christina Horsten, dpa

Sogar zu «Saturday Night Live» hat es die Gepunktete Laternenträgerzikade schon geschafft. «Die Menschen sagen ihren Kindern, dass sie mich zertreten sollen», beschwerte sich der als das Insekt verkleidete Comedian Bowen Yang in der legendären US-Comedy-Show. «Dabei versuche ich doch nur, mein Leben zu leben, einen Partner zu finden und 3000 bis 4000 Babys zu bekommen.»

Das Insekt mit dem wissenschaftlichen Namen «Lycorma delicatula» scheint derzeit allgegenwärtig im Nordosten der USA - in den Medien, in Gesprächen zwischen Freunden und Bekannten und vor allem in der Umwelt - von Wäldern, Wiesen, Parks und Feldern bis hinein in die Millionenmetropole New York. Dort fühlen sich die Insekten nach Angaben von Wissenschaftlern der Pennsylvania State University anscheinend vor allem an den von der Sonne gewärmten Außenwänden der Hochhäuser aus Glas und Beton wohl.

Ursprünglich stammt die Gepunktete Laternenträgerzikade, deren Flügel im Erwachsenenstadium teils auffällig schwarz gepunktet und teils leuchtend rot sind, aus Südostasien und China. 2014 wurde sie erstmals in Pennsylvania gesichtet - aber erst in diesem Jahr breiteten sich die Tiere großflächig in 14 Bundesstaaten und zur echten Plage aus. Nach Europa scheinen sie es bislang noch nicht geschafft zu haben.

Schäden für Landwirtschaft

Für Menschen sind die ausgewachsen rund zwei Zentimeter langen Insekten ungefährlich, in Natur und Landwirtschaft aber können sie große Schäden anrichten. Sie durchbohren Blätter und Stiele, saugen die Pflanzen aus und haben damit bereits Schäden in Millionenhöhe angerichtet. «Die Gepunktete Laternenträgerzikade ist eine Gefahr für viele Obstpflanzen und Bäume», heißt es vom US-Landwirtschaftsministerium. «Wenn wir erlauben, dass sie sich in den USA ausbreitet, könnte diese Plage den Wein- und Obstanbau sowie die Holzwirtschaft ernsthaft schädigen.»

Zur Bekämpfung der Insekten, die eher hüpfen als fliegen, haben die zuständigen Behörden vieler US-Bundesstaaten einen ungewöhnlichen Aufruf an die Bevölkerung gestartet: Bitte zertreten! «Tötet sie! Zertretet sie, schlagt sie tot ... werdet sie einfach los», heißt es beispielsweise vom Landwirtschaftsministerium Pennsylvanias. Auch die Verwaltung des Central Parks in New York bittet Besucher, die Tiere zu zertreten - und unzählige Menschen kommen dem nach. Der Park und viele Bürgersteige in der Millionenmetropole sind mancherorts voller zertretener Zikaden.

Töten wird zum Spiel

Das Töten von Gepunkteten Laternenträgerzikaden ist für einige Menschen fast schon zu einer Art Hobby geworden, von dessen Erfolgen sie stolz berichten. Sogar eine App namens «Squishr» gibt es bereits, in der man mit Mitspielern um die Wette zertreten kann. Andere Menschen wollen grundsätzlich keine Tiere töten, auch wenn es sich dabei um potenziell schädliche Insekten handelt. Das «Dilemma der Gepunkteten Laternenträgerzikade», nennt es das «New York Magazine»: «Zertreten oder nicht zertreten?»

Mit dem Frostbeginn werden die Insekten in den kommenden Wochen vorerst nach und nach aus dem Stadtbild der Millionenmetropole New York und den betroffenen Bundesstaaten verschwinden - aber ihre Eier haben sie schon gelegt und die können den Winter überleben. Im Frühling könnten daraus Jungtiere schlüpfen. Dann fürchten Experten vor allem eine weitere Verbreitung Richtung Westen der USA - beispielsweise in die Weinanbaugebiete Kaliforniens.

Wissenschaftlern ist klar, dass der Aufruf zum Zertreten alleine das Problem nicht lösen wird - aber noch gibt es nicht viele andere Möglichkeiten, vor allem weil das Insekt so viele verschiedene Pflanzen schädigt und es seine zahlreichen Eier an so vielen unterschiedlichen Orten ablegt. «Wenn wir es nicht stoppen, verbreitet es sich», sagte Forscherin Julie Urban von der Pennsylvania State University dem Nachrichtensender CNN. «Langfristige forschungsbasierte Lösungen sind auf dem Weg. Aber wir brauchen Hilfe dabei, Zeit zu gewinnen.»


Bildnachweis: © Andy Lavalley/Post-Tribune/Chicago Tribune via ZUMA Press/dpa
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