4. September 2023 / Aus aller Welt

Festival «Burning Man» versinkt im Schlamm

Eigentlich sollte eine überdimensionale Holzstatue am Samstag brennen - das Kernritual des Kult-Festivals «Burning Man». Stattdessen bauten Besucher kleine Skulpturen aus Schlamm.

Zehntausende Besucher des Wüsten-Festivals «Burning Man» sitzen nach heftigen Regenfällen am Wochenende auf dem Gelände im US-Bundesstaat Nevada fest.
von Denise Sternberg und Christian Fahrenbach, dpa

Zehntausende Besucher des Wüsten-Festivals «Burning Man» sitzen nach heftigen Regenfällen am Wochenende auf dem Gelände im US-Bundesstaat Nevada fest. Alle Zugänge zum Gelände seien gesperrt, teilte der Sheriff von Washoe County mit. Die Organisatoren baten die Besucher am Samstag (Ortszeit), Nahrung und Wasser zu sparen. «Wenn ihr zu viel habt, teilt mit euren Nachbarn.»

Ein Mensch starb, wie der Sender CNN unter Verweis auf das Sheriff-Büro meldete. Der Todesfall habe sich «während des Regens» ereignet. Details wurden nicht genannt. «Die Familie wurde benachrichtigt, und der Todesfall wird untersucht.»

Das jährliche Festival ist ein Szene-Happening mit Musik und Kunstaktionen. Es lockt traditionell Künstler, Techno-Fans, Pyrotechniker und Neugierige aus aller Welt an. In der Wüste errichten die Teilnehmer aus Zelten und Wohnmobilen eine temporäre Stadt namens Black Rock City. Ein Kernritual am Ende des Kultevents ist das Verbrennen des «Burning Man», einer überdimensionalen Holzstatue. «Derzeit sind alle Verbrennungen verschoben», so die Organisatoren am Samstagabend (Ortszeit).

DJ Diplo und Chris Rock im Schlamm

Einige prominente Gäste des Festivals wurden in der Not erfinderisch: Erfolgs-DJ Diplo und Schauspieler Chris Rock verließen gemeinsam zu Fuß über einen mehrere Kilometer langen Notfallweg im Schlamm das Gelände, bis sie außerhalb davon von einem Pickup-Truck eingesammelt wurden. Ein Fan habe ihm und Rock die Mitfahrgelegenheit angeboten, schrieb Diplo zu einem Video auf der Plattform X, das die beiden auf dem Fahrzeug zeigt.

Auch andere Festivalbesucher wanderten Medienberichten zufolge kilometerweit zu Fuß durch den dicken Schlamm, um Hauptstraßen außerhalb des Geländes zu erreichen und von dort aus nach Hause zu kommen. Andere blieben in ihren Zelten und hofften auf bessere Bedingungen. Aufnahmen in sozialen Medien zeigten, wie sich Festival-Besucher auf den schlammigen Wegen abmühten.

Ob die große Masse der Besucher wie geplant am Montag die Heimreise antreten kann, ist noch unklar. «Das Tor wird so schnell wie möglich wieder geöffnet, sobald es sicher ist, dies zu tun», heißt es auf der Website der Organisatoren. «Spät am Montag ist möglich - sollten die Wetterbedingungen zu unseren Gunsten sein», hieß es weiter. «Es kann früher sein, es kann später sein.»

Auch ein temporärer Flughafen sei zunächst geschlossen worden. Autos drohten auf dem schlammigen Untergrund steckenzubleiben. Nur Notfahrzeuge durften das Gelände daher befahren oder verlassen, hieß es auf der Webseite weiter. Die Organisatoren stellten Fahrzeuge mit Vierradantrieb für medizinische Notfälle bereit.

«Wir sind hierhergekommen in dem Wissen, dass dies ein Ort ist, an dem wir alles mitbringen, was wir zum Überleben brauchen», teilten die Organisatoren mit. «Gerade deshalb sind wir alle gut vorbereitet auf ein Wetterereignis wie dieses.»

Am Montag könnte die Sonne zurückkommen

Die heftigen Regenfälle in diesem Jahr fielen auf trockenes Wüstengelände und verwandelten den Boden in ein Schlammbad. Zwischen Freitag- und Samstagmorgen fiel laut CNN die sonst für zwei bis drei Monate übliche Regenmenge. Für Sonntag wurden weitere Schauer erwartet. Am Montag könnte die Sonne laut Vorhersagen zurückkehren. Im vergangenen Jahr stiegen die Temperaturen beim Festival noch auf etwa 40 Grad Celsius.

2022 hatten sich nach Angaben der Veranstalter bis zu 75.000 Menschen in der Wüstenstadt aufgehalten. Genaue Angaben über die Zahl der in diesem Jahr gestrandeten Festival-Besucher lagen zunächst nicht vor. Enden sollte das Event in diesem Jahr eigentlich nach neun Tagen an diesem Sonntag.

Der US-Künstler Larry Harvey (1948-2018) zählte 1986 zu den Mitbegründern des zunächst kleinen Happenings an einem Strand in San Francisco. Nach größerem Zulauf wurde die Veranstaltung 1990 in die Wüste von Nevada verlegt.


Bildnachweis: © David Crane/dpa
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