22. November 2022 / Aus aller Welt

Gerührt, nicht geschüttelt - Meisterschaft der Barkeeper

Bei der Deutschen Meisterschaft der Barkeeper geht es um Fachkunde und Kreativität, statt um Akrobatik. Entgegen der Trinkgewohnheiten von James Bond steht Rühren dabei höher im Kurs als Schütteln.

Anna Strokan, Barkeeperin der Hotelbar «Käpt’ns Lounge» Heiligenhafen, eröffnet mit ihrem Drink «Manhattan in Law» das Finale der Deutschen Cocktailmeisterschaften der Deutschen Bar...
von Christopher Hirsch, dpa

Noch ein letztes Mal rückt Anna Strokan die Flaschen zurecht - dann gilt es. Unter den kundigen Blicken einer vierköpfigen Jury und mit der novemberlichen Ostsee im Rücken füllt sie zwei große Gläser mit Eis. Die Finalrunde der diesjährigen Deutschen Cocktailmeisterschaften der Deutschen Barkeeper Union (DBU) ist eröffnet.

Wer bei einem derartigen Wettkampf an Kunststücke und Akrobatik denkt, wird am Dienstag im Luxushotel in Heiligendamm eines Besseren belehrt. «Es hält halt auch nur auf, macht den Drink nicht besser», erklärt Robin Lühert, der wie Strokan zu den acht Finalisten gehört. Im gehobenen Cocktailbetrieb sei Jonglage unüblich, außerdem habe man dafür an einem Samstag- oder Freitagabend auch gar keine Zeit.

Der Fokus liegt stattdessen auf dem Drink und dem Konzept dahinter. 80 Bewerber und Bewerberinnen hatten Rezepte eingereicht. Gesucht war eine spektakuläre, aber einfach nachzumixende Cocktailkreation. Strokan präsentierte den «Manhattan in Law» (zu Deutsch in etwa: mit Manhattan verschwägert) - eine Abwandlung des Cocktail-Klassikers «Manhattan».

Rum statt Whiskey

Sie habe einen überzeugten «Manhatten-Trinker» als Gast gehabt, erklärt die 26 Jahre alte Barkeeperin einer Hotelbar in Schleswig-Holstein, in der auch der amtierende deutsche Meister arbeitet. Der Gast habe etwas mit Rum trinken wollen, deshalb habe sie den Whiskey ersetzt. Kundig referiert sie über Herkunft, Destillation und Fasslagerung des Rums oder die Bohnensorte des verwendeten Espresso-Likörs.

«Man muss sich mit seinen Spirituosen auskennen», sagt DBU-Sprecher Mohammad Nazzal. Zu einem guten Bartender gehöre aber noch mehr. Man müsse den Gast im Auge behalten, für gute Stimmung sorgen. Am Ende müsse das Gesamterlebnis stimmen. Ähnlich erklärt es auch Thomas Altenberger, Bar-Chef im Grand Hotel Heiligendamm und dieses Jahr Mitglied der Jury. Man habe seinen Job richtig gemacht, wenn der Gast wiederkommen will «ohne eigentlich zu wissen, warum».

Die Bartender müssen vor der Jury die Cocktails zubereiten und das Konzept hinter dem jeweiligen Rezept erklären. Gekostet wird natürlich auch. Der oder die Siegerin sollte am Abend bekanntgegeben werden. Als Preis winkt eine Bildungsreise. Es handelt sich laut DBU um den einzigen deutschlandweiten Wettkampf dieser Art. Er finde nach zwei Jahren Corona-Pause zum 36. Mal statt. Der Berufsfachverband ist nach eigenen Angaben über 100 Jahre alt und hat mehr als 1000 Mitglieder.

Harte Kerle und seichte Varianten

Auch für den Finalisten Lühert - Bartender seit 2019 - ist es der Umgang mit den Gästen, der den Job ausmacht. Er sei einfach gern Gastgeber. Und was hat es mit der berühmten Bestellung des Film-Geheimagenten James Bond auf sich, der seinen Wodka Martini ausdrücklich geschüttelt, nicht gerührt trinkt? Bond bevorzuge offenbar eine eher seichte Variante, sagt Lühert. Schütteln verwässere im Vergleich zum Rühren mehr.

Auch Strokan hat ihren «Manhattan in Law» gerührt und nicht geschüttelt. Bei der Zubereitung war sie sichtbar aufgeregt und vergaß, den Drink am Ende noch zu probieren. Sie sei trotzdem zufrieden mit ihrer Leistung. Am Ende gelte das olympische Motto: «Dabeisein ist alles». Sie empfinde die Bartender-Community als besonders freundlich und hilfsbereit und genieße es, andere Kollegen kennenzulernen.

Und was trinkt Strokan am liebsten selbst? «Das kommt darauf an, was man für eine Laune hat.» Heute einen «Manhattan» und morgen vielleicht einen «Piña Colada». Normalerweise dürfe man als professionelle Bartenderin nicht zugeben, dass man einen eher anspruchsloseren Cocktail trinke. Aber wenn schon «Piña Colada», dann trinke sie ihn mit frisch pürierter Ananas, gutem Rum und ohne Sahne. «So wie es sich gehört.»


Picture credit: © Bernd Wüstneck/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Alle Erkelenzer St. Martinszüge 2022
Aktuelle Nachrichten

Eine Übersicht Stand: 27.10.2022

weiterlesen...
Früh hohe Werte: Grippewelle in Deutschland hat begonnen
Aus aller Welt

Vor der Corona-Pandemie begannen Grippewellen meist nach dem Jahreswechsel. Mit Maskentragen etwa kam die Verbreitung von Influenza dann lange zum Erliegen. Das scheint sich wieder zu ändern.

weiterlesen...
Schnell, hell, selten: Leoniden-Sternschnuppen am Himmel
Aus aller Welt

Das diesjährige Maximum der Leoniden steht an. Die Sternschnuppen sind ein beliebtes Himmelsspektakel - wer sie sehen will, kann versuchen, sich exakt zu positionieren.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Leckere Nikolaus-Geschenke für Tigerkinder
Aus aller Welt

Weihnachtliche Überraschung für die beiden Tigermädchen im Tierpark Hagenbeck: Sie durften am Montag vorzeitig ihr erstes Nikolausfest feiern. Und das war mit spannenden Überraschungen verbunden.

weiterlesen...
Pandemie-Effekt fällt weg: Zahl der Verkehrstoten steigt
Aus aller Welt

In den vergangenen Pandemie-Jahren sind weniger Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Das ändert sich gerade wieder. Aber trotz der höheren Zahl von Toten gibt es auch Positives zu vermelden.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Leckere Nikolaus-Geschenke für Tigerkinder
Aus aller Welt

Weihnachtliche Überraschung für die beiden Tigermädchen im Tierpark Hagenbeck: Sie durften am Montag vorzeitig ihr erstes Nikolausfest feiern. Und das war mit spannenden Überraschungen verbunden.

weiterlesen...
Pandemie-Effekt fällt weg: Zahl der Verkehrstoten steigt
Aus aller Welt

In den vergangenen Pandemie-Jahren sind weniger Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Das ändert sich gerade wieder. Aber trotz der höheren Zahl von Toten gibt es auch Positives zu vermelden.

weiterlesen...