28. Januar 2024 / Aus aller Welt

Kampf den Häufchen: Südtirol startet Gendatenbank für Hunde

Die Idee ist schlicht: Wenn man durch DNA Verbrecher überführen kann, kann man so auch die Schuldigen für Hundehäufchen ausfindig machen. Als erste deutschsprachige Region macht Südtirol damit jetzt ernst.

Ist das Häufchen per DNA-Abgleich erstmal identifiziert, könnte das in Bozen für Hundebesitzer bald sehr teuer werden.
von Christoph Sator, dpa

Selbstverständlich gäbe es in Bozen für einen Pinscher stillere Örtchen, um sein Geschäft zu verrichten. Aber nun geht er in Südtirols Hauptstadt eben auf dem Waltherplatz in die Hocke, direkt vor dem Dom. Den Besitzer, Mitte 20, pelzbesetzte Daunenjacke, Hund an der Leine, immerhin, scheint das nicht groß zu kümmern. Er schaut nicht einmal vom Handy auf. Dann sind Hund und Halter wieder weg. Die Hinterlassenschaft bleibt liegen, ziemlich mittig sogar auf dem vielbegangenen Platz. Man ahnt, wie die Angelegenheit zu Ende geht.

Solche Szenen sollen in Italiens nördlichster Provinz mit ihrer halben Million Einwohnern - die Mehrheit deutschsprachig - und den vielen Millionen Touristen bald der Vergangenheit angehören. Derzeit baut die Landesregierung mit den Gemeinden eine Datenbank auf, in der das Erbmaterial der mehr als 40.000 einheimischen Hunde erfasst werden soll.

Seit Anfang des Jahres ist die Abgabe einer DNA-Probe von Gesetz wegen Pflicht. Mit den gesammelten Proben soll dann ermittelt werden können, von welchem Hund ein Häufchen kommt. Abgesehen davon soll das Genmaterial auch helfen, wenn jemand gebissen wurde oder Hunde in Verkehrsunfälle verwickelt sind.

Strafen von bis zu 1048 Euro

Die Datenbank soll nach bisherigen Beschlüssen bis zum Sommer in Betrieb gehen. Die vorgesehenen Strafen für Liegenlasser sind erheblich: zwischen 292 und 1048 Euro. So etwas wie eine Hundesteuer gibt es in Südtirol nicht. Zum Vergleich: In Deutschland werden je nach Bundesland zwischen 10 und 150 Euro fällig, wenn Hundebesitzer der Meinung sind, sich nicht bücken zu müssen.

Auf die Idee, das Problem durch die Speicherung von Gendaten zu lösen, kamen in Europa schon verschiedene Kommunen. Auch in London und Paris wurde darüber nachgedacht. In Deutschland beschäftigten sich eher kleinere Gemeinden wie Weilerswist bei Bonn oder Bad Neualbenreuth in der Oberpfalz damit.

Bislang scheiterte das meist am Datenschutz und anderen juristischen Hürden. In Südtirol, wo auf saubere Bürgersteige und Wanderwege mehr Wert gelegt wird als anderswo, ist man nun vermutlich so weit wie nirgendwo sonst.

Erst ein Fünftel der Hundehalter macht mit

In der Bevölkerung ist das Thema bis heute höchst umstritten. Von den Hundebesitzern ging bislang nur etwa ein Fünftel zum Veterinär, um dem eigenen Tier per Wattestäbchen Speichel oder mit einer Spritze Blut abnehmen zu lassen. Die Landesregierung spricht aktuell von 7000 bis 8000 abgegebenen Proben, die nun zentral gespeichert werden. Viele sind über die 65 Euro Gebühr empört - zumal noch das Honorar für den Arzt hinzukommt. Bei mehreren Hunden kann das teuer werden.

Groß ist unter den Einheimischen auch der Ärger, dass die Tiere von Touristen von der Regelung ausgenommen bleiben. «Drei Viertel von den Urlaubern, die nach Südtirol kommen, haben doch einen Hund dabei», sagt Vanni Campanella (59), der mit seinem Husky unterwegs ist. «Aber die bleiben völlig außen vor. Das ist nicht fair.»

Linde Malknecht, die ihren Mischling am Fluss Eisack spazieren führt, fühlt sich ebenfalls ungerecht behandelt. «Ganz Bozen ist dreckiger geworden in den letzten Jahren. Aber bezahlen müssen nur wir.»

Kritiker hoffen auf Änderungen

Viele Hundehalter hoffen jetzt, dass das Gesetz noch geändert wird. Die Südtiroler Tierärztekammer verweist zudem darauf, dass wichtige Fragen noch ungeklärt seien. «Wir wissen zum Beispiel überhaupt noch nicht, wer die Probe entnimmt, wenn das Häufchen einmal auf der Straße liegt. Das darf ja nicht jeder», sagt deren Präsident Franz Hintner der Deutschen Presse-Agentur.

Vermutlich werden das vereidigte Beschäftigte der kommunalen Ordnungsämter sein. Die Südtiroler Polizei hat jedenfalls schon deutlich gemacht, dass sie auch so schon genug zu tun habe.

Offen ist auch, wie die Gerichte entscheiden werden, wenn es nach einem DNA-Abgleich Ärger gibt. Hundehalter Campanella gibt zu bedenken: «Was passiert eigentlich, wenn ich alles in den Beutel packe und zum Mülleimer bringe - und dann ein böser Nachbar kommt und alles wieder auf die Straße legt? Wie will man das beweisen?» Trotzdem ist er überzeugt, dass an der Gendatenbank kein Weg mehr vorbeiführt. Er selbst war mit dem Husky jedenfalls schon beim Arzt.

«Weil wir halt doch Deutsche sind»

Auch Kammerpräsident Hintner ist sich sicher, dass trotz aller Kritik und Bedenken die große Mehrheit der Südtiroler Hundehalter dem Gesetz folgen wird. «Weil wir halt doch Deutsche sind», meint der Tierarzt aus Meran. «Wir haben eben so eine Mentalität: Wenn man uns was sagt, dann wird das auch gemacht.»


Bildnachweis: © Christoph Sator/dpa
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