15. Februar 2023 / Aus aller Welt

Karnevalisten wollen trotz Ukraine-Kriegs feiern

Ein Jahr pausierte der Karneval wegen Corona ganz, ein weiteres Jahr fand das Treiben nur eingeschränkt statt. Jetzt aber drängt es die Narren mit Macht auf die Straße.

Ein Mottowagen, der Russlands Präsidenten Wladimir Putin zeigt, wie er die Welt durch den Fleischwolf dreht.
von dpa

Erstmals seit drei Jahren beginnt am Donnerstag zu Weiberfastnacht wieder ein Straßenkarneval ohne Corona-Einschränkungen. 2020 war der Karneval noch knapp vor den ersten weitreichenden Lockdown-Maßnahmen über die Bühne gegangen, hatte teilweise allerdings auch schon selbst zur Verbreitung des Virus beigetragen. Im Folgejahr 2021 fiel der Karneval komplett aus. 2022 fand Weiberfastnacht unter 2G-plus-Bedingungen statt. Diese Einschränkungen fallen nun weg.

Erstmals seit drei Jahren sollen auch die Rosenmontagszüge wieder rollen. 2021 waren sie ausgefallen. Im vergangenen Jahr hatte Düsseldorf seinen Zug wegen Corona zunächst auf Mai verschoben, dann aber abgesagt. «Der Ukraine-Krieg war ein Grund - für uns genau so relevant war aber die Entscheidung des WDR, den Zug nicht zu übertragen», sagte ein Sprecher des Comitees Düsseldorfer Carneval. Außerdem habe die Stadt Bedenken gegen den Zug geäußert.

In Köln hatte es an Rosenmontag statt eines Karnevalszugs eine Demonstration gegen den russischen Angriffskrieg gegeben, eine Viertelmillion Menschen beteiligte sich. Mainz hatte den Zug wegen Corona ebenfalls zum zweiten Mal abgesagt. Dieses Jahr hat die Mainzer Fastnacht das Motto: «In Mainz steht Fastnacht voll und ganz für Frieden, Freiheit, Toleranz!»

Persönliche Nähe und Gemeinschaft erleben

Da der Ukraine-Krieg mit unveränderter Härte weiter tobt, stellt sich die Frage, warum dieses Jahr alles seinen gewohnten karnevalistischen Gang geht. «Gerade die Corona-Zeit hat uns allen gezeigt, wie wichtig es ist, persönliche Nähe und die Gemeinschaft mit anderen Menschen zu erleben», sagte dazu der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, der Deutschen Presse-Agentur. «Die Kölner Jecken schunkeln nicht einfach an den Problemen der Welt vorbei, sondern wissen sehr genau, wie eng Freud und Leid beieinander liegen.»

So besuche das Kölner Dreigestirn nicht nur bunte Sitzungen und Bälle, sondern auch Krankenhäuser, Sozialstationen und Hospize. Der Karneval solle den Menschen Kraft geben und ihnen kleine Auszeiten von den alltäglichen Sorgen und Nöten bescheren, sagte Kuckelkorn. «Und so werden weder der fürchterliche Krieg in der Ukraine noch die Opfer des Erdbebens in der Türkei und Syrien vergessen. Im Gegenteil: Für uns Narren ist der Zoch mit seinen Persiflagen das wichtigste Instrument, um solche Missstände öffentlich aufzuzeigen und zu kritisieren.»

Ähnlich sieht es der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly. «Ich bin der Meinung, dass man in schlechten Zeiten gerade gute subversive Satire braucht, und die bietet der Karneval ja nun wirklich en masse», sagte der Designer und Bildhauer, dessen Wagen häufig internationale Beachtung finden, der dpa.

Kabarettist: «Gewisse Melancholie spielt immer eine Rolle»

Für den Kabarettisten Bernd Stelter ergibt die Mischung aus Erleichterung über das Ende der Corona-Auflagen und Sorge aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine in dieser Karnevalssaison eine besondere Gemengelage. «Ich habe den Eindruck, dass die Leute es ganz dringend wieder brauchen, dass man zusammen ist und lachen darf», sagte Stelter (61) der dpa. «Aber ich glaube nicht, dass die Leute deshalb nicht wissen, was um sie herum passiert. Es gibt immer wieder nachdenkliche Momente. Eine gewisse Melancholie spielt in dieser Session immer eine Rolle.»

Ein Jubiläum feiert dieses Jahr der Kölner Karneval: Der Rosenmontagszug der Stadt - der größte in Deutschland - wird 200 Jahre alt. Zur Feier des Tages ziehen die Kölner Jecken deshalb erstmals über den Rhein. Bisher bewegte sich der Zug immer nur im linksrheinischen Teil der Stadt.


Bildnachweis: © Rolf Vennenbernd/dpa
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