2. August 2023 / Aus aller Welt

Kontakt zur Sonde «Voyager 2» abgebrochen

Seit rund 46 Jahren entfernt sich die Raumsonde «Voyager 2» von der Erde. Dann bricht durch ein fehlerhaftes Kommando der Kontakt ab - ein «Alptraum» für die Betreiber. Lässt er sich wieder herstellen?

«So etwas ist ein Alptraum eines jeden Satellitenbetreibers»: Ulrich Walter ist ehemaliger Astronaut und Professor für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München.
von dpa

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat den Kontakt zur Raumsonde «Voyager 2» verloren - Hilfe könnte aber nun aus Australien kommen. «Voyager 2», die derzeit rund 20 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt sei, könne im Augenblick weder Daten zur Erde senden, noch Befehle von der Leitzentrale empfangen, teilte die Nasa mit.

Der Kontakt sei abgebrochen, als eine Reihe geplanter Befehle am 21. Juli versehentlich dazu geführt haben, dass die Antenne der Raumsonde um zwei Grad von der Erde weg ausgerichtet worden sei, hieß es weiter. Ein deutscher Experte ist aber zuversichtlich, dass der Kontakt wieder hergestellt werden kann.

«Herzschlag» des Raumschiffs entdeckt

Hoffnung setzt die Nasa auf eine automatische Neuausrichtung der Sonde, die dazu diene, die Antenne der «Voyager 2» wieder auf die Erde zu fokussieren. Vorgesehen sei diese für den 15. Oktober. Die Wissenschaftler erwarten, dass dann die Kommunikation wieder laufen werde.

Am Dienstagnachmittag teilte die Nasa zudem mit, dass das Deep Space Network, ein weltweites Netz von Raumkommunikationsstationen, bei einer Routineüberprüfung ein Signal von «Voyager 2» entdeckt habe. «Das ist ein bisschen wie das Hören des "Herzschlags" des Raumschiffs und bestätigt, dass es noch sendet, wie es die Ingenieure auch erwartet haben.»

Zuvor könne bereits Hilfe aus Australien kommen, berichteten dortige Medien. In der kommenden Woche werde eine riesige Parabolantenne von einem Nasa-Projekt in Canberra versuchen, Signale zu «Voyager 2» zu senden, um die Sonde wieder richtig auszurichten, berichtete der Sender ABC unter Berufung auf die Nasa.

«Menschliche Fehler»

«So etwas ist ein Alptraum eines jeden Satellitenbetreibers», sagte Ulrich Walter, Ex-Astronaut und Professor für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München. Gewöhnlich sammle man mehrere Kommandos und sende sie gemeinsam zur Sonde. Zu Voyager 2 seien sie derzeit etwa 18 Stunden unterwegs. «Wenn man da einen Tippfehler macht, dann kann ein Kontaktverlust schon passieren.» Gewöhnlich werde ein Kommando daher mehrfach kontrolliert, aber für so eine Auswirkung genüge es zum Beispiel eine 5 statt einer 6 zu tippen. «Das sind menschliche Fehler.»

Walter sieht gute Chancen dafür, dass die Nasa am 15. Oktober wieder mit «Voyager 2» Kontakt aufnehmen kann. Nach einer gewissen Zeit würden alle Sonden automatisch zur Erde ausgerichtet. «Die Batterie von Voyager 2 hat zwar nur noch rund die Hälfte ihrer Ursprungsleistung. Das und der noch vorhandene Treibstoff müsste aber reichen, um die Sonde zu drehen», sagte Walter. «Die in der Zeit gewonnenen Daten werden gespeichert.»

Über Grenze des Sonnensystems hinaus

«Voyager 1» (auf Deutsch etwa: Reisender) war am 5. September 1977 gestartet, «Voyager 2» bereits am 20. August 1977. Beide Sonden sind unbemannt. Ziel der beiden 1977 gestarteten Sonden war es, Planeten des äußeren Sonnensystems zu erkunden. Danach verlängerte die Nasa die Mission einfach, so dass die Sonden schließlich über die Grenze des Sonnensystems hinausflogen.

Nun sammeln sie Daten aus dem interstellaren Raum. Dort befinde sich Plasma, also Gas in einem besonderen Zustand, erklärte Walter. Dessen Dichte falle immer mehr ab, je weiter es vom Sonnensystem entfernt sei.


Bildnachweis: © Matthias Balk/dpa
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