6. März 2024 / Aus aller Welt

Männer anfälliger für Glücksspielsucht als Frauen

Glücksspiele können reich machen - oder arm. Aber auch süchtig. Eine neue Studie zeigt, dass Glücksspielverhalten und -suchtprobleme sich kaum verändert haben. Eines fällt jedoch deutlich auf.

Männer sind bei Glücksspielen immer noch stärker suchtgefährdet, aber der Frauenanteil steigt.
von Thomas Strünkelnberg, dpa

Suchtrisiken im Glücksspiel gefährden nach einer neuen Studie besonders Männer - aber der Anteil der betroffenen Frauen steigt. Der Anteil der Männer mit einer sogenannten «glücksspielassoziierten Störung» lag im vergangenen Jahr bei 3,2 Prozent, der der Frauen bei 1,4 Prozent, wie der Glücksspiel-Survey 2023 ergab.

2021 wurde für Männer ein Wert von 3,5 Prozent ermittelt, während Frauen auf einen Anteil von 1,1 Prozent kamen. Die repräsentative Studie des Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) in Hamburg und der Universität Bremen wurde vom Deutschen Lotto- und Totoblock gefördert.

Insgesamt aber blieben Glücksspielverhalten sowie -sucht in Deutschland im Vergleich zur Erhebung von 2021 weitgehend konstant, wie die derzeit im Lotto- und Totoblock federführende Gesellschaft Lotto Niedersachsen mitteilte.

Demnach lag der Anteil der Menschen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren mit einer Störung insgesamt bei 2,4 Prozent der Bevölkerung - nach 2,3 Prozent vor drei Jahren. Laut Studie betrug der Anteil derjenigen mit einer leichten Störung 1,0 (2021: 1,1) Prozent, der mit einer mittleren und einer schweren Störung jeweils 0,7 Prozent - hier waren es vor drei Jahren 0,7 Prozent und 0,5 Prozent. Allerdings: Bei immerhin 6,1 Prozent der Befragten sei ein riskantes Spielverhalten nicht auszuschließen.

«Glücksspiel macht selten glücklich»

Zu den Anzeichen einer Störung - oder Sucht - zählen das Verheimlichen von Glücksspielen, Entzugserscheinungen, mehr Spielen, um Verluste auszugleichen, oder das Weiterspielen trotz negativer Folgen - bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes.

Für die Studie wurden zwischen dem 1. August und dem 16. Oktober 2023 insgesamt 12 308 Menschen im Alter von 16 bis 70 Jahren telefonisch oder online befragt. An der Vorgänger-Erhebung hatte es auch Kritik gegeben - demnach ließ die Datengrundlage keine repräsentativen Schlüsse auf die Gesamtbevölkerung zu.

Der Studie zufolge war der Anteil der Menschen mit einer Störung unter den 18- bis 25-Jährigen am höchsten - er lag bei 4,9 Prozent. Bei den 26- bis 35-Jährigen waren es 3,8 Prozent, bei den 56- bis 70-Jährigen dagegen nur 0,8 Prozent. Erstmals wurde die Belastung im sozialen Umfeld von Menschen mit Glücksspielproblemen untersucht - demnach berichtet mehr als ein Fünftel (21,9 Prozent) der betroffenen Angehörigen oder Freunde von verminderter Leistungsfähigkeit. 26 Prozent leiden an Schlafproblemen, außerdem traten stressbedingt etwa Bluthochdruck oder Kopfschmerzen sowie Depressionen auf.

«Glücksspielstörungen stellen nicht nur für die Betroffenen eine erhebliche Einschränkung der Lebensgestaltung und Lebensqualität dar», betonte der ISD-Experte Sven Buth. «Auch das soziale Umfeld ist oftmals selbst erheblichen finanziellen, sozialen und gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt, die mit der Erkrankung der nahestehenden Person einhergehen.»

Das klassische Zahlenlotto ist am beliebtesten

Den Zahlen zufolge haben vom vierten Quartal 2022 bis zum dritten Quartal 2023 insgesamt 36,5 Prozent der Bevölkerung an mindestens einem Glücksspiel um Geld teilgenommen - vor zwei Jahren waren es 29,7 Prozent der Befragten. Am beliebtesten blieb das klassische Zahlenlotto «6 aus 49» - durchschnittlich jede und jeder Fünfte (19,8 Prozent) hat mindestens einmal daran teilgenommen. Dahinter folgten der Eurojackpot mit einem Anteil von 13,0 Prozent, die Rubbellose mit 7,6 Prozent sowie die Soziallotterie «Aktion Mensch» (7,3 Prozent). Immerhin 6,9 Prozent entschieden sich für riskante Glücksspielformen - dazu zählen den Angaben zufolge Automatenspiel, Casinospiele oder Sportwetten.

«Glücksspiel macht seine Teilnehmenden selten glücklich», sagte der Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert im vergangenen November bei der Vorstellung des «Glücksspielatlas». Demnach gibt es in Deutschland rund 1,3 Millionen Menschen, bei denen sich das Leben fast nur noch ums Spielen dreht. Weitere 3,3 Millionen Menschen zeigen laut «Glücksspielatlas» ein riskantes Spielverhalten mit ersten Anzeichen für eine Sucht.

Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse «können Maßnahmen des Spieler- und Jugendschutzes evaluiert und gegebenenfalls verbessert werden», kündigte ISD-Projektleiter Jens Kalke an. Die Bruttospielerträge des deutschen Glücksspielmarkts betrugen 2022 laut Jahresreport der Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder rund 13,3 Milliarden Euro - der Anteil des Schwarzmarktes daran lag bei 815 Millionen Euro.


Bildnachweis: © Sebastian Gollnow/dpa
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