1. Oktober 2023 / Aus aller Welt

Nach Rekordregen wieder Alltag in New York

Straßen, die wie Flüsse aussehen: Extremer Regen hat Teile von New York lahmgelegt. Schnell zieht sich das Wasser danach zurück. Doch die Sorge vor immer häufigeren und schweren Wetterereignissen dieser Art wächst.

Ein Mann versucht im Stadtbezirk Brooklyn, einen Abfluss im Hochwasser zu reinigen. Inzwischen ist das Wasser wieder versickert.
von Benno Schwinghammer, Christina Horsten und Angelika Engler, dpa

In der US-Metropole New York ist nach dem außergewöhnlich starken Regen vom Freitag mit kniehohen Wassermengen auf Straßen, in Metro-Stationen und auf Flughäfen recht schnell wieder Normalität eingekehrt.

Bereits am Samstagmorgen (Ortszeit) konnten Menschen die meisten Linien der Metro wieder benutzen, wie die US-Zeitung «New York Times» schrieb. Auch der Flugbetrieb lief demnach wieder nach Plan. Eine Flutwarnung für das Stadtgebiet galt nicht mehr. Als das Tiefdruckgebiet weiterzog, schwächte sich auch der Regen ab.

Gouverneurin Kathy Hochul, die noch am Freitag den Notstand ausgerufen hatte, trat am Samstag mit einer guten Nachricht vor die Presse: Die Überflutung habe keine Todesopfer mit sich gebracht. 28 Menschen seien aus «tobendem Wasser» im Hudson Valley nördlich von New York und auf Long Island gerettet worden. Sie danke allen Einwohnern, dass die Warnungen der Behörden beachtet worden seien.

Zugleich betonte Hochul, der Klimawandel mache solche Wetterereignisse zu einer «neuen Normalität». New York müsse seine Infrastruktur verbessern, um für künftige und häufigere Wetternotlagen dieser Art gerüstet zu sein.

Regenmassen legen die Stadt lahm

Noch am Freitag ein komplett anderes Bild: Rekordverdächtige Regenmassen legten in kurzer Zeit große Teile der US-Ostküstenmetropole lahm. Am Morgen und Vormittag regnete es in einigen Teilen New Yorks innerhalb weniger Stunden so viel wie sonst in einem Monat. Autobahnen und Straßen verwandelten sich in seenartige Landschaften, auch ein Flughafenterminal wurde überflutet und gesperrt. Die Stadtverwaltung rief die Menschen am Freitag auf, wenn möglich, zu Hause zu bleiben - viele U-Bahnen fuhren nicht mehr oder hatten große Verspätungen. 

Die Handys von New Yorkern vibrierten am Freitag mehrere Male wegen automatischer Notfallmeldungen der Nationalen Wetterbehörde. Unter der dicken Wolkendecke blieb es auch mitten am Tag düster. Verantwortlich für die Wassermassen war ein beständiges Tiefdruckgebiet, das aus dem Tropensturm «Ophelia» entstanden war - aber ohne Wind, der die Lage sonst aller Wahrscheinlichkeit nach verschlimmert hätte. Dennoch fühlten sich viele New Yorker an den Starkregen erinnert, der vor zwei Jahren im Zuge des Hurrikans «Ida» die Stadt überflutet hatte. Damals starben mindestens elf Menschen.

Auf vielen Straßen zwischen den Häuserschluchten Manhattans sowie in Brooklyn und Queens hatten sich am Freitag tiefe Pfützen gebildet, auch Unterführungen von Brücken wie im Central Park waren unpassierbar.

Eine Seelöwin erkundet den Central Park

«Das Angebot in unserem Netz ist aufgrund des extremen Regens stark gestört», teilten die öffentlichen Verkehrsbetriebe MTA mit. Vom Flughafen LaGuardia, an dem hauptsächlich Inlandsflüge abgehen und ankommen, hieß es am Freitag, das Terminal A sei «bis auf Weiteres» gesperrt. Auch der Flughafen John F. Kennedy teilte mit, der Regen sorge für Störungen im Betrieb. 

Das vielerorts steigende Wasser eröffnete auch einem Tier im Zoo des Central Parks eine ungeahnte Möglichkeit: «Eine Seelöwin im Central Park Zoo konnte heute aus ihrem Becken schwimmen, weil der Platz aufgrund heftiger Regenfälle in New York City überflutet wurde», hieß es in einer Mitteilung. Das Personal des bereits geschlossenen Tierparks habe das Weibchen dabei beobachtet, wie es die Gegend erkundete - aber schließlich wieder in die vertraute Umgebung ihres Pools zurückkehrte.

Nach Informationen der «New York Times» ist der September in der Acht-Millionen-Metropole der nasseste seit über 140 Jahren - seit Beginn der Aufzeichnungen sei nur 1882 mehr Niederschlag gefallen.


Bildnachweis: © Jake Offenhartz/AP/dpa
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