27. Juni 2026 / Aus aller Welt

«Niemand hielt das für möglich»: Nasa will Satelliten retten

Seit rund 20 Jahren liefert ein Nasa-Satellit wichtige Forschungsdaten. Nun droht er abzustürzen. Kann eine kurzfristig angesetzte beispiellose Rettungsmission das noch verhindern?

Das "LINK"-Raumfahrzeug steht in einer Halle
Veröffentlicht am 27. Juni 2026 um 10:18 Uhr von Christina Horsten, dpa

Mit einer kurzfristig angesetzten beispiellosen Rettungsmission will die US-Raumfahrtbehörde Nasa einen Forschungssatelliten vor dem Absturz bewahren. Dafür solle am Dienstag (30. Juni) eine Art Schleppraumschiff mithilfe eines «Stargazer»-Flugzeugs und einer «Pegasus»-Rakete von einem Atoll in den Marshallinseln im Südpazifik aus starten, teilte die Nasa mit. Der Start könnte sich allerdings erneut verschieben. 

Der sogenannte «Swift»-Satellit war 2004 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus ins All gebracht worden. Seitdem untersucht das mit drei Teleskopen ausgestattete Himmelsobservatorium, das nach dem 2017 gestorbenen Chef-Wissenschaftler der Mission auch «Neil Gehrels Swift Observatory» heißt, vor allem gewaltige Energieausbrüche im Universum, sogenannte Gammablitze. 

«Swift»-Observatorium spielt «zentrale Rolle» in Nasa-Strategie

Die Mission sei so erfolgreich, dass das Himmelsobservatorium inzwischen eine «zentrale Rolle in der Nasa-Strategie zur Erforschung von flüchtigen und unvorhersagbaren Veränderungen am Himmel» spiele, hieß es von der US-Raumfahrtbehörde. Deswegen wurde die ursprünglich nur auf rund zwei Jahre angelegte Mission immer weiter verlängert. «Swift», an dem auch Italien und Großbritannien beteiligt sind, ist den Angaben zufolge generell in gutem Zustand. 

Unter anderem wegen starker geomagnetischer Stürme, die durch Sonnenausbrüche ausgelöst wurden, droht der Satellit nun aber abzustürzen - nach Berechnungen von Wissenschaftlern wahrscheinlich gegen Ende des Sommers. «Für ein generisches Raumschiff wäre es schon in Ordnung aus der Umlaufbahn herauszukommen. Aber das ist nicht irgendein Raumschiff. Es ist ein Observatorium mit einzigartigen Fähigkeiten für die Astrophysik», sagte Nasa-Manager Shawn Domagal-Goldman bei einer Pressekonferenz. «Also haben wir entschieden: Ja, wir wollen das hier diesmal retten, weil es so besonders ist.»

Rettungs-Raumschiff innerhalb von neun Monaten startklar

Im September gab die Nasa der US-Raumfahrtfirma Katalyst Space den Zuschlag für die Rettungsmission mit einem Budget von rund 30 Millionen Dollar (etwa 26 Millionen Euro). Das Unternehmen entwickelte, baute und lieferte das rund 400 Kilogramm schwere «Link»-Raumschiff - mit drei Roboterarmen, drei Hauptantriebswerken und zahlreichen weiteren Instrumenten - innerhalb von nur rund neun Monaten. Nach erfolgreichem Start soll «Link» im All den Plänen zufolge zunächst einige Tests durchführen, sich dann dem «Swift»-Observatorium annähern und dieses dann über einen Zeitraum von mehreren Monaten in seine Ursprungs-Umlaufbahn zurück heben. 

Wenn alles läuft wie geplant, könnte der derzeit im Energiespar-Modus laufende «Swift»-Satellit ab Herbst wieder wissenschaftliche Daten liefern - und das den Erwartungen der Wissenschaftler zufolge dann möglicherweise noch für etwa fünf Jahre oder mehr. «Link» würde nach erfolgreich ausgeführtem Auftrag zurück auf die Erde stürzen und in der Atmosphäre verglühen. 

Keine Erfolgsgarantie: Mission ist «herausfordernd und riskant»

Der Erfolg der Rettungsmission ist aber keinesfalls garantiert. «Das ist alles herausfordernd und riskant», sagte Kieran Wilson von Katalyst Space bei einer Pressekonferenz. «Selbst viele Raumfahrzeuge, die viel länger und mit viel mehr Geld entwickelt wurden, sind aus banalen Gründen gescheitert.»


Bildnachweis: © Ron Beard/NASA/dpa
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