28. Januar 2025 / Aus aller Welt

Römisches Mini-Dosenschloss aus Gold gibt Rätsel auf

Der Fund ist rund 1600 Jahre alt. Wissenschaftler in Münster sind begeistert, viele Fragen sind noch offen. War das Schloss ein Andenken oder Geschenk?

So winzig: Das römische Miniatur-Schloss liegt neben einem Maßstab für einen Zentimeter. Im Hintergrund der Nachbau im Verhältnis 4:1.
von Carsten Linnhoff, dpa

Constantin Fried vermutete zuerst den vergammelten Deckel einer Schnapsflasche. 2023 hatte seine Sonde in Petershagen an der Weser angeschlagen und er ein Metallteil aus der Erde gezogen. Als der heute 30-Jährige den Fund dann zwischen seinen Finger rieb und vom Dreck befreite, begann das Stück jedoch zu glänzen. Dem gelernten Veranstaltungstechniker war schnell klar, das muss Gold sein.

Fried hatte sich vor zwei Jahren aus Zeitvertreib und zur Entspannung an der Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen auf die Suche nach archäologischen Funden gemacht. Sein Ziel war eine Erdkuppe an der Weser. An anderen Orten hatte er bereits Scherben und römische Münzen gefunden. Dass er gerade einen Sensationsfund gemacht hatte, fanden die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) erst später heraus.

Heute steht fest: Das winzige Miniatur-Dosenschloss, das Fried gefunden hatte, stammt aus dem 3. oder 4. Jahrhundert nach Christus. Nach Einschätzung der LWL-Experten in Münster, die an Menschen wie Fried Lizenzen vergeben, damit sie im Ehrenamt im Zusammenspiel mit der Wissenschaft auf die Suche gehen können, ist der Fund in Europa einzigartig und eine Sensation.

Ab in den Computertomografen

Das nur 1,2 mal 1,1 Zentimeter große Fundstück wurde mit Hilfe eines Neutronen-Computertomografen (CT) am Paul Scherrer Institut in Villingen in der Schweiz untersucht. So bekamen die Forscher ein Bild aus dem Inneren.

Bei dem Fund in Petershagen fehlten außen Schlüssel und Kette. Aber die dreidimensionalen Bilder aus dem CT zeigten die ebenfalls aus Gold bestehenden Nieten und Kettenglieder im Inneren. Damit steht fest: Das Schloss hat vor rund 1600 Jahren funktioniert. Und dank des Blicks in das Innere war der LWL in der Lage, das Schloss im Maßstab 4:1 nachzubauen.

Da es vergleichbare, aber deutlich größere dieser Dosenschlösser in der Römerzeit im 3. oder 4. Jahrhundert nach Christus gab, vermutet der Chef-Archäologe des LWL, dass «vielleicht ein Angehöriger einer einheimischen Elite das exquisite Kleinod bei seiner Rückkehr aus dem römischen Militärdienst als Andenken oder Geschenk mit zurück in die Heimat gebracht hat», sagte Michael Rind bei der Vorstellung.

Wie konnte das extrem kleine Stück ohne Lupe hergestellt werden?

Laut LWL sind viele wissenschaftliche Fragen noch offen. Unklar ist, wie das extrem kleine Stück ohne die heute üblichen Hilfsmittel wie künstliches Licht oder Lupe überhaupt hergestellt werden konnte und wie es nach Westfalen kam. «War es eine Einzelanfertigung oder wurden ähnliche kostbare Miniaturen nur bisher nicht gefunden?», fragt sich Rind. 

«Der außergewöhnliche Fund aus Petershagen zeigt die hohe Kunstfertigkeit des provinzialrömischen Kunstschmiede- und Schlosserhandwerks», sagte LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger bei der Vorstellung. Der Direktor des Landschaftsverbandes, Georg Lunemann, bedankte sich bei allen ehrenamtlichen Suchern und appellierte an die Szene, diese Arbeit nicht ohne Lizenz zu machen. Bei Constantin Fried ist aus dem Hobby in der Zwischenzeit ein Berufswunsch geworden. Er studiert in Göttingen Archäologie.


Bildnachweis: © Guido Kirchner/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Leuchtender Himmel - Polarlichter über Deutschland zu sehen
Aus aller Welt

Ein Sonnensturm sorgt für Polarlichter über Deutschland. Er ist so stark, dass das Lichtspektakel vom Norden bis zu den Alpen zu sehen ist.

weiterlesen...
Mehrere Einbrüche in Häuser und Wohnungen
Polizeimeldungen

Erkelenz (ots) - Am 10. Januar (Samstag) kam es im Stadtgebiet zu mehreren Tageswohnungs

weiterlesen...
Schulausfall im Norden - Warnung vor extremer Lage
Aus aller Welt

Starker Schneefall bringt das öffentliche Leben in Teilen Deutschlands durcheinander. Die Situation dürfte sich laut Wettervorhersage am Freitag verschärfen.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Winterwetter führt zu Unfällen und legt Flughafen BER lahm
Aus aller Welt

Der DWD hat die Unwetterwarnung für den Nordosten Deutschlands aufgehoben, verweist aber auf «markante Glätte». Es kommt zu mehreren Unfällen, Blitzeis legt den Berliner Flughafen lahm.

weiterlesen...
Betrieb am BER läuft wieder - Verspätung und viele Ausfälle
Aus aller Welt

Der Flugbetrieb am BER läuft wieder. Doch es kommt zu stundenlangen Verspätungen und Ausfällen. Betreiber und Passagiere müssen hoffen, dass es am Abend eisfrei bleibt.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Winterwetter führt zu Unfällen und legt Flughafen BER lahm
Aus aller Welt

Der DWD hat die Unwetterwarnung für den Nordosten Deutschlands aufgehoben, verweist aber auf «markante Glätte». Es kommt zu mehreren Unfällen, Blitzeis legt den Berliner Flughafen lahm.

weiterlesen...
Betrieb am BER läuft wieder - Verspätung und viele Ausfälle
Aus aller Welt

Der Flugbetrieb am BER läuft wieder. Doch es kommt zu stundenlangen Verspätungen und Ausfällen. Betreiber und Passagiere müssen hoffen, dass es am Abend eisfrei bleibt.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner