13. Juni 2023 / Aus aller Welt

Seltene Seepferdchen-Funde sollen Forschung helfen

Wer im Sommerurlaub am Strand spaziert, sollte besonders die Augen auf halten: Forscher suchen nach seltenen Seepferdchen, die vermehrt an der Nordseeküste angespült werden.

Zwei leblose Kurzschnäuzige Seepferdchen («Hippocampus hippocampus»).
von dpa

Um das Vorkommen seltener Seepferdchen in der deutschen Nordsee zu untersuchen, haben Wissenschaftler mithilfe von Bürgern erste Exemplare solch angespülter Meerestiere für ein Forschungsprojekt gesammelt. «Wir haben jetzt sechs Stück», sagte die stellvertretende Direktorin des Oldenburger Landesmuseums Natur und Mensch, Christina Barilaro, der Deutschen Presse-Agentur.

Bei dem Forschungsprojekt setzen die Forscher seit rund einem Jahr auf die Hilfe etwa von Strandspaziergängern. Wer angespülte tote Seepferdchen an Stränden findet, soll die Funde melden und bei Nationalpark-Häusern des niedersächsischen Wattenmeeres abgeben. Die Wissenschaftler wollen mit einer noch folgenden genaueren Untersuchung der Funde das Vorkommen der Seepferdchen erforschen.

«Man darf sie nicht einfach mit nach Hause nehmen»

Die gefundenen Tiere werden in den Nationalpark-Häusern auf Eis gelegt und dann gesammelt auf das Festland zum Oldenburger Landesmuseum gebracht. Die ersten insgesamt sechs Funde von den Inseln Juist und Wangerooge erreichten nun die Museumssammlung. Zum Teil waren die Tiere auch schon vor dem Start des Forschungsprojektes eingesammelt worden. Es gebe schon weitere Funde, darauf deuteten Fundmeldungen in dem Online-Portal «Beach Explorer», sagte Barilaro. Aber nicht alle dort registrierten Funden seien bislang auch abgegeben worden.

«Die Tiere stehen unter Schutz, man darf sie nicht einfach mit nach Hause nehmen. Man muss sie in der Natur lassen oder an offiziellen Stellen wie den Nationalpark-Häusern abgeben», sagte Barilaro.

Eigentlich gelten die Kurzschnäuzigen Seepferdchen aus dem Wattenmeer seit den 1930er Jahren als fast verschwunden. Warum die Tiere nun häufiger gesichtet werden, wollen auch Forscher des Thünen-Instituts für Seefischerei in Bremerhaven in dem Projekt untersuchen. Als Brutgebiet brauchen die Seepferdchen Tang-, Algen- oder Seegraswiesen, die ständig mit Wasser überflutet sind. Vor der niedersächsischen Küste sind solche Habitate derzeit nicht bekannt - allerdings vor der niederländischen Küste und im Ärmelkanal.

Eine Theorie ist daher, dass die Tiere etwa durch Winterstürme aus den Niederlanden verdriften und bis auf die Ostfriesische Inseln gespült werden. «Aber es zeigt sich, dass die Seepferdchen das ganze Jahr zu finden sind», sagte Barilaro. «Damit hatten wir nicht gerechnet, und das ist sehr spannend.» Offen sei, welche alternativen Lebensräume neben Seegraswiesen es für Seepferdchen womöglich noch gebe. Denkbar seien etwa Steinschütten an Offshore-Windkraftanlagen.

Forscher setzen auf Mithilfe der Sommerurlauber

In Schleswig-Holstein, wo das Forschungsprojekt ebenfalls läuft, sind in diesem Jahr zwei Seepferdchen-Funde gemeldet worden, wie der Leiter des WWF-Wattenmeerbüros Hans-Ulrich Rösner sagte. Ein Fund wurde im Januar in St. Peter-Ording gemacht, ein zweiter im Februar auf Sylt. Anders als in Niedersachsen sind die Finder in Schleswig-Holstein aber nicht aufgerufen, die Seepferdchen einzusammeln und an bestimmte Stellen zu schicken. Daher wisse er nicht, was mit den Funden passiert sei, sagte Rösner.

Die Naturschutzorganisation WWF hatte im vergangenen November den Aufruf, Seepferdchen zu melden, um das nördlichste Bundesland erweitert. Anlass war ein Fund Ende September im Wattenmeer-Gebiet zwischen Pellworm und Hooge.

In der Ostsee sind Seepferdchen-Funde bislang kaum dokumentiert. Lediglich im Großen Belt vor Dänemark, also nahe dem Übergang von Nord- und Ostsee, wurden wenige Tiere bislang nachgewiesen.

Für weitere Funde setzen die Forscher auch auf die Mithilfe der vielen erwarteten Sommerurlauber. Funde von toten Tieren sollten mit Fotos und einem Maßstab, etwa einer Euro-Münze, dokumentiert und dann in den Nationalpark-Häusern abgegeben werden, wie Barilaro sagte.


Bildnachweis: © Peter Kuchenbuch-Hanken/dpa
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