29. August 2025 / Aus aller Welt

Viele Schmetterlingsarten trotz gutem Jahr weiter gefährdet

Pestizide, häufiges Mähen und Wetterextreme sind für Tagfalter eine Bedrohung. Um viele Arten steht es schlecht.

Der Apollofalter ist vom Aussterben bedroht (Archivbild).
Veröffentlicht am 29. August 2025 um 05:00 Uhr von dpa

Für Schmetterlinge herrschen in diesem Jahr wegen der warmen Witterung gute Bedingungen in Deutschland. «Insekten sind generell eher wärmeliebend. Wenn es trocken und warm ist, ist das kurzfristig für viele gut», erklärte Martin Wiemers vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg. Dieses Jahr habe er besonders viele Schornsteinfeger-Falter gesehen. 

Insgesamt sei die Lage für die Tiere aber weiterhin bedrohlich. «Einzelne Jahre ändern nicht den Trend», so der Biologe und Insektenkundler, denn: Viele Schmetterlingsarten in Deutschland sind gefährdet. Am kritischsten sei es bei Arten, die an Mooren, wie der Hochmoor-Gelbling, oder in Feuchtgebieten, wie der Baldrian-Scheckenfalter, leben. 

Rund 190 Tagfalter Arten

Insgesamt gibt es hierzulande 3.700 Schmetterlingsarten, dazu zählen rund 190 Tagfalter. Für die Rote Liste wurden zuletzt vor knapp 15 Jahren 184 Arten bewertet, davon gelten 42 Prozent als ausgestorben oder bestandsgefährdet. Als vom Aussterben bedroht gelten laut Wiemers zum Beispiel der Kleine Maivogel, der Apollofalter und die Berghexe. 

Raupen, also Schmetterlingslarven, ernähren sich größtenteils von Pflanzen. Schmetterlinge fressen hauptsächlich Nektar aus Blüten, aber auch Früchte.

Mähen tötet viele Tiere

Ein Grund für den Rückgang der Arten sei die Intensivierung der Landwirtschaft mit der Verwendung von Pestiziden, sagt Wiemers. Auch häufiges Mähen von Wiesen und Feldern sei ein großes Problem. «Wenn man eine Wiese mäht, vernichtet man unter Umständen einen Großteil der Tiere.» Entscheidend sei auch, ob man eine Wiese zweimal oder nur einmal mähe und zusätzlich ein paar Bereiche stehen lasse. «Um die Population zu erhalten, reicht es locker aus, einen Anteil nicht zu mähen, zum Beispiel ein Viertel der Fläche.»

Eine zusätzliche Gefahr sind nach Angaben des Insektenkundlers Extremwetterereignisse. Starke Regenfälle, aber auch anhaltende Trockenheit töteten Tiere. Wenn es zu wenig regnet, vertrocknen Pflanzen und Raupen und Schmetterlingen geht die Nahrungsgrundlage aus. Auch Fressfeinde und Parasiten könnten für das Überleben eine enorme Rolle spielen. 

Schmetterlinge brauchen abwechslungsreiche Landschaft

Schmetterlingsarten hätten sehr unterschiedliche Ansprüche, erklärt der Biologe. Manche überwinterten als Raupe, andere als Puppe oder Ei und einige wenige als Falter. Die Schmetterlinge seien daher zum Teil in unterschiedlichen Monaten unterwegs und demnach auch unterschiedlichen Umweltbedingungen ausgesetzt. Manche hätten im Jahr mehrere Generationen, andere nur eine. Die meisten Tagfalter-Arten lebten auf Wiesen und Weiden, einige auch in lichten Wäldern oder in Moorgebieten.

Es gebe daher nicht den Idealzustand für alle Arten, erklärt Wiemers. «Wir brauchen feuchte Bereiche, wir brauchen aber auch trockene Bereiche.» Optimal wäre eine abwechslungsreiche Landschaft, die Arten ermögliche, flexibel zu reagieren. Dann sei es auch möglich, dass Arten sich von Einbrüchen in der Population wieder erholen.


Bildnachweis: © Thomas Frey/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Verkehrskontrollen am vergangenen Wochenende
Polizeimeldungen

Kreis Heinsberg (ots) - Bei Kontrollen konnten am vergangenen Wochenende folgende Verkeh

weiterlesen...
Hitze und Fußball führen zu Stromausfall in Rüsselsheim
Aus aller Welt

Fernseher laufen wegen der WM-Übertragung, Ventilatoren und Klimaanlagen wegen der Hitze. In Rüsselsheim ging deswegen bei vielen Menschen das Licht aus.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Polizei beendet Geiselnahme in Berlin - Frau gerettet
Aus aller Welt

Kurz vor Feierabend bringt ein Mann in einem Supermarkt eine Frau in seine Gewalt. Es folgt ein stundenlanger Nervenkrieg. Die Polizei verhandelt - dann stürmt sie das Gebäude.

weiterlesen...
Polio: Wohl letzte Nutzerin einer Eisernen Lunge gestorben
Aus aller Welt

Sie überlebte Polio, lebte Jahrzehnte mit einer Eisernen Lunge und wurde so zum Symbol einer vergangenen Ära. Mit Martha Lillards Tod endet ein außergewöhnliches Kapitel der Medizingeschichte.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Polizei beendet Geiselnahme in Berlin - Frau gerettet
Aus aller Welt

Kurz vor Feierabend bringt ein Mann in einem Supermarkt eine Frau in seine Gewalt. Es folgt ein stundenlanger Nervenkrieg. Die Polizei verhandelt - dann stürmt sie das Gebäude.

weiterlesen...
Polio: Wohl letzte Nutzerin einer Eisernen Lunge gestorben
Aus aller Welt

Sie überlebte Polio, lebte Jahrzehnte mit einer Eisernen Lunge und wurde so zum Symbol einer vergangenen Ära. Mit Martha Lillards Tod endet ein außergewöhnliches Kapitel der Medizingeschichte.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner