18. November 2022 / Aus aller Welt

144 wilde Nandus in Deutschland gesichtet

Wie in der südamerikanischen Pampa: Deutschlands wilde Nandus fühlen sich wohl. Sie vermehrten sich so sehr, dass sie mittlerweile gejagt werden dürfen. Inzwischen gilt die Population als stabil.

Bei der Zählung von Europas einziger wilder Nandu-Population Ende Oktober entdeckten die Helfer 144 der flugunfähigen Großvögel.
von dpa

Ihre Heimat ist die südamerikanische Pampa - doch Tausende Kilometer von ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet entfernt haben Nandus (Rhea americana) in Norddeutschland eine neue Heimat gefunden. Die Population am Ratzeburger See an der Landesgrenze von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gilt als die einzige wildlebende in Europa. Bei der jüngsten Zählung Ende Oktober wurden 144 Tiere auf den Feldern und Wiesen der Region entdeckt, wie das Umweltministerium in Schwerin am Freitag mitteilte. Das waren 13 mehr als im Frühjahr und 23 mehr als im Herbst 2021. Die Nandus werden zweimal im Jahr gezählt.

Die Zahlen zeigten, dass der Bestand der Art im Verbreitungsgebiet gesichert sei, sagte Minister Till Backhaus (SPD). Die Tiere stammen alle von einer Handvoll Exemplaren ab, die um die Jahrtausendwende aus einem privaten Gehege bei Groß Grönau am Ratzeburger See in Schleswig-Holstein ausgebrochen waren. Bis 2019 vermehrten sich die Tiere ungebremst, dank des Fehlens natürlicher Feinde. Die norddeutschen Winter konnten ihnen nichts anhaben und auf den Feldern der Bauern wurde junger Raps zu ihrer Lieblingsspeise. Die Schäden nahmen zu und die Landwirte setzten schließlich durch, dass der Nandu geschossen werden darf.

Im Herbst 2018 war die Rekordzahl von 566 Nandus gezählt worden, im Jahr darauf durften die ersten Tiere getötet werden. Im ersten kompletten Jagdjahr von April 2020 bis März 2021 wurden laut Ministerium 179 Nandus erlegt. Im Jagdjahr darauf waren es nur noch 79. Anwohner berichten, dass die Tiere wesentlich scheuer geworden sind, seit ihnen nachgestellt wird.

Der Nandu ist dem Ministerium zufolge einer von mehr als 1000 Neozoen (Neue Lebewesen) in Deutschland - Arten, die nach der Ankunft von Christoph Kolumbus in Amerika 1492 nach Europa gelangten. Dazu gehören demnach auch Arten wie Damwild, Waschbär, Mink, Nutria, Fasan und Regenbogenforelle.


Picture credit: © Jens B tner/dpa-Zentralbild/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Alle Erkelenzer St. Martinszüge 2022
Aktuelle Nachrichten

Eine Übersicht Stand: 27.10.2022

weiterlesen...
Früh hohe Werte: Grippewelle in Deutschland hat begonnen
Aus aller Welt

Vor der Corona-Pandemie begannen Grippewellen meist nach dem Jahreswechsel. Mit Maskentragen etwa kam die Verbreitung von Influenza dann lange zum Erliegen. Das scheint sich wieder zu ändern.

weiterlesen...
Der Sumpf-Haubenpilz ist Pilz des Jahres 2023
Aus aller Welt

Ein kleiner Stiel mit gelben bis orangen Köpfchen, der vor allem in feuchten Gebieten vorzufinden ist: Der Sumpf-Haubenpilz ist neuer Pilz des Jahres. Er hat es hierzulande aber zunehmend schwerer.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Familie mit Messer attackiert - Polizei schießt auf Vater
Aus aller Welt

Ein getrennt von Frau und Kindern lebender Vater dringt mit einem Messer ins Wohnhaus seiner Familie ein und verletzt diese. Die herbeigerufene Polizei schießt den Mann an.

weiterlesen...
Studie zum Omikron-Ursprung: Entwicklung wurde übersehen
Aus aller Welt

Anfang November 2021 wurde in Südafrika erstmals die Corona-Variante B.1.1.529 nachgewiesen. Doch ein Forscher-Team der Charité weist nach: Omikron-Vorläufer gab es in Afrika schon deutlich früher.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Familie mit Messer attackiert - Polizei schießt auf Vater
Aus aller Welt

Ein getrennt von Frau und Kindern lebender Vater dringt mit einem Messer ins Wohnhaus seiner Familie ein und verletzt diese. Die herbeigerufene Polizei schießt den Mann an.

weiterlesen...
Studie zum Omikron-Ursprung: Entwicklung wurde übersehen
Aus aller Welt

Anfang November 2021 wurde in Südafrika erstmals die Corona-Variante B.1.1.529 nachgewiesen. Doch ein Forscher-Team der Charité weist nach: Omikron-Vorläufer gab es in Afrika schon deutlich früher.

weiterlesen...