3. Oktober 2023 / Aus aller Welt

«Fat Bear»-Wahl - Wer siegt als dickster Braunbär?

Bei der «Fat Bear»-Wahl in Alaska haben die dicksten Braunbären die besten Chancen auf den Titel. Juroren aus aller Welt stimmen ab. Der kuriose Wettstreit hat einen ernsten Hintergrund.

Bei der «Fat Bear»-Wahl in Alaska haben die dicksten Braunbären die besten Chancen auf den Titel.
von Barbara Munker, dpa

Enorme Fettrollen, ein Meister im Lachsfressen: 747 könnte beim diesjährigen «Fat Bear»-Wettbewerb in Alaska seinen Vorjahrestitel verteidigen. Der massige Braunbär mit dem vielsagenden Spitznamen «Jumbo Jet» war bereits 2020 und 2022 zum dicksten Pelztier des Katmai-Nationalparks gekürt worden. Nun tritt er bei dem kuriosen Wettstreit der fettesten Bären wieder an. Die Ranger stellten die zwölf Kandidaten vor.

Zum neunten Mal veranstaltet der Park im Südwesten von Alaska die «Fat Bear Week». Online können Besucher und Bären-Fans eine Woche lang für die dicksten Prachtexemplare stimmen. Der Gewinner wird am «Fat Bear»-Dienstag (10. Oktober) gekürt.

747 wurde im Jahr 2019 auf rekordverdächtige 630 Kilo geschätzt. Jetzt sei das über 20 Jahre alte Männchen nicht mehr ganz so dick, aber noch immer eine imposante Erscheinung, sagen die Ranger. Es kommt auf die Rundungen an, aber auch das Temperament, besondere Fähigkeiten oder die Überlebenskünste der Tiere spielen eine Rolle, wenn die Ranger ihre Auswahl treffen. Wie geschickt fangen die Bären in den Stromschnellen Lachse, wie gut verteidigen sie ihren Standort? Es ist eher ein Beliebtheits-Wettbewerb, bei dem im vorigen Jahr Bärenfans aus aller Welt über eine Million Stimmen abgaben.

Dünn im Frühjahr, dick im Herbst

«Natürlich brauchen wir Fotos von den Bären, im Frühjahr, wenn sie dünn sind, und im Herbst, wenn sie schön rund sind», erzählt Rangerin Chris Kliesrath der Deutschen Presse-Agentur. Die Vorher-Nachher-Fotos zeigen es deutlich: nach der Winterruhe sind die Bären abgemagert, bis zum Herbst specken sie deutlich an.

Natürlich kommt kein Bär auf die Waage. Aus sicherem Abstand werden die Kandidaten beäugt, verglichen und überschwänglich beschrieben. «Oh mein Gott, sein Bauch schleift über den Boden», begeistert sich Kliesrath. «Manche habe enorme Fettrollen, zu unserer großen Freude, denn das sind für uns erfolgreiche Bären.» Mit diesen Fettreserven können sie dann die monatelange Winterruhe ohne zu Fressen überstehen. Dabei verlieren sie bis zu 33 Prozent ihres Körpergewichts, erzählt die Rangerin.

Mit dem «Fat Bear»-Wettstreit will der Park über das Ökosystem und den Lebensraum der über 2000 Braunbären in der Region informieren und auf Gefahren, etwa durch den Klimawandel, aufmerksam machen. Das Gebiet hat die größten Lachsvorkommen der Welt. Auf diese kalorienreiche Kost sind die Tiere angewiesen. Doch in diesem Jahr seien die Lachszüge zwei Wochen später gekommen, so dass die Bären anfangs nur Beeren und Gras zu fressen hatten, erklärt Kliesrath.

Doch am Ende reichte das Lachs-Buffet aus, dass sieht man an den Rundungen der diesjährigen Kandidaten. Unter ihnen ist der wuchtige Chunk (zu deutsch: Klotz), mit einer auffälligen Narbe auf der Schnauze. Das 18 Jahre alte Männchen - aus Sicht der Ranger «ein Monster» - zählt zu den dominantesten Bären in dem Revier. Auch der dreifache Gewinner Otis mischt erneut mit. Mit 27 Jahren zähle er zu den ältesten und erfahrensten Bären. Trotz des Alters und schlechter Zähne sei er immer noch ein Meister im Lachsfischen.

Ordentlich angespeckt

Holly, eine der sechs weiblichen Kandidatinnen, war 2019 als «Königin der Körperfülle» zur Siegerin erklärt worden. Mit ihr ist unter anderem Weibchen Grazer im Rennen, die neben ihrer Leibesfülle auch durch hell gefärbte Ohren auffällt. Jüngster Kandidat ist der pummelige 806 Spring Cub, der in seinem ersten Sommer an der Seite seiner Mutter ordentlich anspeckte. Bei der Geburt zu Jahresbeginn wiegen Jungtiere gerade mal ein halbes Kilo, bis zum Herbst nehmen sie beachtliche 30 Kilo zu, informieren die Ranger.

Auf der Online-Plattform «Explore.org» werden in der «Fat Bear Week» täglich Bären zur Abstimmung präsentiert. Nach sechs Runden stehen sich im Finale dann nur noch zwei der ursprünglich zwölf Mitstreiter gegenüber. Unterdessen kann man den Bären via Webcam beim Fressen zuschauen.

Kliesrath macht das mit Begeisterung. «Für mich sind sie die schönsten Tiere überhaupt», schwärmt die Rangerin. «Sie kämpfen um die besten Angelplätze, sind dabei enorm einfallsreich und stark, aber gehen auch sanft mit ihrem Nachwuchs um - einfach majestätisch».


Bildnachweis: © K. Moore/ukrin/dpa
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