30. April 2023 / Aus aller Welt

Krönung kompakt: Von Treueschwüren und königlichen Roben

Im Mai werden König Charles III. und Königin Camilla gekrönt. Die Zeremonie soll einige neue Elemente enthalten, um die «Vielfalt unserer heutigen Gesellschaft» widerzuspiegeln.

Der britische König Charles III. und Königsgemahlin Camilla während einer Zeremonie im Buckingham Palace.
von Benedikt von Imhoff, dpa

Der Countdown läuft: Bis zur Krönung von König Charles III. und Queen Camilla dauert es keine Woche mehr. Landesweit werden Straßen und Geschäfte mit britischen Flaggen geschmückt. Auch viele Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich an den Vorbereitungen: Im Dorf Hurst bei Reading etwa stellen Mitglieder der Strick- und Häkelgruppe «Hurst Hookers» königliche Figuren oder Kronen als Briefkastendekoration her. Der Buckingham-Palast veröffentlicht immer mehr Details zum Ablauf der historischen Zeremonie am 6. Mai.

Eine Krönung mit vielen Neuerungen

Rund um die Krönung in der Londoner Westminster Abbey wird es viele erste Male geben. Für Aufsehen sorgte vor allem der Aufruf an alle Menschen im Vereinigten Königreich, dem Monarchen lautstark die Treue zu schwören. Auf Aufforderung des Erzbischofs von Canterbury sollen die Teilnehmer des Gottesdiensts, aber auch die Millionen an den Bildschirmen sagen: «Ich schwöre Ihrer Majestät wahre Treue sowie Ihren Erben und Nachfolgern gemäß dem Gesetz. So wahr mir Gott helfe.» Diese «Tribut der Menschen» genannte Formel ersetzt den traditionellen Treueschwur, den ansonsten Adlige und Geistliche dem Monarchen bekundeten. Dies übernehmen stellvertretend der Erzbischof und Thronfolger Prinz William.

Erstmals bei einer Krönung übernehmen Vertreter anderer Religionen gewichtige Rollen. Jüdische, hinduistische, muslimische, buddhistische und Sikh-Geistliche werden dem König eine gemeinsame Grußbotschaft ausrichten, Mitglieder der Religionen ihm die Insignien aushändigen. Dies symbolisiere den tief verwurzelten Glauben an die Förderung der Einheit zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen und Charles' Einsatz für interreligiösen Dialog.

Ebenfalls zum ersten Mal werden Sprachen aus den übrigen britischen Landesteilen bei dem Gottesdienst zu hören sein, wenn die Hymne «Veni creator spiritus» (Komm, Schöpfer Geist) außer auf Englisch auch auf Walisisch sowie in Schottischem und Irischem Gälisch gesungen wird. Zudem ertönt die Litanei «Kyrie eleison» auf Walisisch - Charles war als Thronfolger jahrzehntelang als Prinz von Wales bekannt und lernte die Sprache vor seiner Ernennung 1969.

Besondere Gewänder und ein verborgener Zeremonie-Teil

Neu ist auch die sogenannte Krönungsrobe von Queen Camilla. Das Königspaar trägt traditionell zu der Zeremonie zwei verschiedene Gewänder - eines bei Ankunft in der Westminster Abbey und eines auf dem Rückweg zum Buckingham-Palast. Während Charles jeweils die Roben seines Großvaters König George VI. von dessen Krönung 1937 nutzt und Camilla auf dem Hinweg ein Gewand ihrer Schwiegermutter Queen Elizabeth II. von 1953, trägt sie als «Imperial Robe» das eigens geschneiderte Kleidungsstück aus violettem Samt. Eingearbeitete Insekten und Blumen beziehen sich auf die Themen Natur und Umwelt, die Charles und Camilla am Herzen liegen. Gezeigt werden auch die nationalen Symbole für England (Rose), Schottland (Distel) und Irland (Kleeblatt).

Ein zentraler Teil der Zeremonie bleibt verborgen: die Salbung des Monarchen, die als sein persönlicher Moment mit Gott gilt. Dabei berührt der Erzbischof den König mit geweihtem Öl kreuzförmig an Händen, Brust und Kopf. Dafür stellt die Leibwache einen dreiseitigen Sichtschutz - «Anointing Screen» (wörtlich: Salbungsschirm) - um die beiden Männer auf. Der 2,6 Meter hohe und 2,2 Meter breite Schutz zeigt einen Baum mit 56 Blättern, auf denen die Namen der 56 Mitglieder des Staatenbundes Commonwealth eingestickt sind. Das Monogramm von Charles an der Wurzel bedeutet, dass der Monarch ein Diener seiner Völker ist. Das Design sei vom König persönlich ausgewählt worden, hieß es.

Nach der Krönung ist vor der Feier

Die Krönung ist der Höhepunkt der Feierlichkeiten, insgesamt aber feiern die Briten drei Tage lang ihren Monarchen. Bei einem Konzert auf Schloss Windsor am Sonntagabend treten zahlreiche Stars auf wie Take That, Katy Perry und Lionel Richie. Nun kündigte die BBC weitere Teilnehmer an: So sollen auch Hollywoodstar Tom Cruise und die tierische Comicfigur «Winnie-the-Pooh» eine Rolle spielen. Das weckt Erwartungen, es könne zu einer ähnlichen Szene kommen wie beim Jubiläumskonzert für Queen Elizabeth II. im Juni 2022. Damals hatte sich die Königin für einen viel bejubelten Video-Sketch mit dem animierten Bären Paddington zum Tee getroffen.

Prinz Harry reist alleine an

Überschattet werden die Vorbereitungen vom andauernden Zwist mit Charles' jüngerem Sohn Prinz Harry. Der 38-Jährige, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Herzogin Meghan schwere Vorwürfe vor allem gegen Stiefmutter Camilla und Bruder William erhoben hatte, reist zwar alleine zu der Krönung aus den USA an, wo er lebt. Wie die Zeitung «Sun on Sunday» berichtete, wird Harry aber nach der Zeremonie in der Westminster Abbey umgehend zurückfliegen. Sohn Archie wird am selben Tag vier Jahre alt. Im Fokus wäre Harry ohnehin kaum gewesen: Beim traditionellen Gruß der Royal Family vom Balkon des Buckingham-Palasts ist kein Platz für ihn vorgesehen.


Bildnachweis: © Yui Mok/PA Wire/dpa
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